Vom Duft der Orchidee

Datum: 03. März 2015
Referent: Dr. HC Roman Kaiser

Roman Kaiser ist Schweizer Riechstoffchemiker. Er arbeitet für Givaudan, dem weltweit grössten Hersteller von Duftstoffen und Aromen.
Düfte sind sein Leben, seine Leidenschaft. Vielmals ist er auf seinen Duftexpeditionen auf abenteuerliche Weise unterwegs. So auf einem Luftschiff hoch über den Blättern des Regenwaldes. Seine Suche nach neuen Düften hat ihn von den Alpen bis zum Himalaya und den Urwäldern der Welt gebracht.
Über 8000 Naturdüfte hat Roman Kaiser evaluiert, viele analytisch untersucht oder rekonstruiert. Was den Forscher und Buchautor antreibt, ist die Faszination für duftende Blütenpflanzen, ganz besonders für Orchideen. Sie machen über 10 Prozent aller Blütenpflanzen aus. Als jüngste Pflanzenfamilie musste sie sich an Nischen anpassen und ihren Platz erkämpfen.
Über die duftende Blüte stülpt er eine Glasglocke. Diese endet in einer feinen Kanüle, wo kleinste Mengen Duftstoffe aufgenommen werden. Nichts ist feiner als die Nase, erklärt uns der Forscher. Unter vielen Einzelkomponenten, aus denen sich der Duft zusammensetzt, sind oft streng riechende, fäkale, urinöse oder schweissige Noten erkennbar.

 

Die Bibliothek der Düfte. Das Riechen und Beschreiben von Düften muss gelernt sein und stetig trainiert werden, meint Kaiser. Düfte sind weit mehr als ein sinnliches Erlebnis für die Nase. In der Natur dienen sie zum Anlocken von bestäubenden Insekten. Jede Pflanze macht das auf ihre Art. Mal blühen sie frühmorgens oder riechen nur in der Nacht. Viele haben einen raffinierten Bestäubungsmechanismus. Ophrys Arten täuschen ihre Bestäuber durch ihr Aussehen.
Weiss-blumige Düfte: Die Pflanzen duften intensiv in der Nacht wie Angraecum. Sie werden durch Nachtfalter bestäubt.
Rosig-blumige Düfte: Sie sind sonnenanbetende Pflanzen wie Rosen, Zyklamen etc.
Ionenartige Düfte: Sie werden vor allem von tropischen Pflanzen verströmt, aber auch von Veilchen.
Fäkalische Düfte: Die Blüten werden von Käfern oder Fliegen bestäubt.
Blüten, die von Tagfaltern bestäubt werden wie Disa uniflora auf den Tafelbergen Südafrikas, sie locken den Bestäuber weniger durch Duft als durch ihre intensiver Farbe an.
Herr Kaiser spricht an diesem Abend nicht nur über Düfte, wir dürfen sie auch riechen. Der Duftstreifen A061 Aerangis confusa aus Kenia überzeugt, es riecht nach Gardenien. A066 von Constantia cipoënsis aus Brasilien erinnert uns stark an die gute alte Niveacreme. Dracula chestertonii lässt uns hungrig werden. Die Blüte riecht frisch nach Zuchtchampignons. Auf eine Frage von Herrn Kaiser, an was uns ein bestimmter Duftstreifen erinnert, kommen verschiedene Antworten wie „Bazzoka-Kaugummi“ bis Coca Cola. Aber es riecht wirklich nach Cola Zero.
Nach seinem interessanten Vortrag werden noch viele Fragen gestellt, die Roman Kaiser gerne beantwortet.

Informationen vom Präsidenten:

  • Frau Lanz wird als Gast begrüsst.
  • Ausstellung Yverdon: Unser Stand wird mit einer prächtigen romantischen Sitzbank begrüsst. Daneben haben wir immer noch die Bärengrabenmauer von Winterthur. Es wird auch ein Epiphytenbaum aufgebaut. Die Besitzer von Pflanzen für die Ausstellung nach Yverdon sollten sich bei Andrea Hennig melden. Es wird einen Sammeltransport geben.
  • In einem Jahr wird unsere Vereinsausstellung in der Elfenau in Bern stattfinden. Der Präsident erinnert uns, dass grosse Schaupflanzen gut gepflegt und nicht geteilt werden.

Anschliessend folgt die Pflanzenbesprechung.

Bericht: Brigitta Schöni

Auszeichnungen und Zusatzpflanzen März 2015