Rund um Orchideen, Workshop und Vortrag
| Datum: | 02. Juni 2026 | |
| Referent / Foto: | Roland Schafflützel | |
| Bericht: | Rita Hofmann |
Ein Vereinsabend mit praktischen Übungen und mit einem Experten in der Vermehrung von Orchideen ist etwas sehr Exklusives und wird allen in Erinnerung bleiben. Der Abend begann mit einem kleinen Vortrag über die Bestäubung und Vermehrung von Orchideen. Die Vermehrung der ersten Orchideen, die von den Pflanzenjägern aus den Kolonien nach Europa geschickt wurden, bereitete den Gärtner sehr viele Problem. Erstens war es schwierig Samenkapseln zu erhalten und zweitens keimte der erhaltenen Samen praktisch nie. Es hat Jahrzehnte geraucht, bis dieses spezielle Verhalten der Orchideen verstanden wurde.
Wie wir heute wissen, erfolgt die Bestäubung meistens nur durch für jede Orchideenart spezifische Insekten, die es in Europa häufig nicht gibt. Ausserdem besteht der Orchideensamen nur aus dem Embryo und keinerlei Nährgewebe, denn er soll ganz leicht sein und weit fliegen, damit er Epiphyten Bäumen wieder besiedeln kann. Daher ist er nicht in der Lage, allein zu keimen, sondern braucht das Zusammenwirken mit speziellen Pilzen im Substrat, die den Sämling ernähren. Doch diese Pilze kommen nur an speziellen Stellen vor und es kommt fast nie zu spontaner Keimung. Die Keimung und Aufzucht wird daher heute asymbiotisch, in speziellen Orchideenmedien, welche Zucker und alle Nährstoffe enthalten durchgeführt. Erst als sich dieses asymbiotische Verfahren der Vermehrung in der Mitte des letzten Jahrhunderts verbreitet haben, konnten viele Orchideen gut vermehrt werden
und wurden dadurch erschwinglich.
Die Arbeitsgruppe durfte selbst die Bestäubung an einer weissen Phalaenopsis-Blüte üben. Da viele Orchideen nicht selbst steril sind, kann man dieses Verfahren auch benutzen, wenn man von einer besonders schönen Orchidee zu Hause Samen gewinnen will. Es ist nicht ganz einfach die Pollinien zu finden und eventuell muss man dazu eine Blüte aufschneiden. Mit einem Holzstäbchen lassen sie sich dann auf die Narbe übertragen. Eine gelungene Befruchtung erkennt man daran, dass die Blüte schnell welkt. Bis eine Samenkapsel reif ist braucht es 2 – 12 Monate, je nach Orchideen-Gattung. Man sollte sie noch grün abnehmen kurz bevor sie platzt, da die Samen dann noch völlig sauber
sind. Ist die Kapsel erst einmal geplatzt, muss man den Samen desinfizieren, bevor man ihn in das sterilisierte Kulturmedium gibt. Die gesamte Handhabung muss steril erfolgen (Heissluftsterilisation, Dampfsterilisation oder chemische) und in einem Laminar-Flow und ist daher zu Hause nicht ohne weiteres möglich. Die Keimung dauert mehrere Wochen bis Monate und findet in geschlossenen durchsichtigen Bechern statt, die man erst öffnen sollte, wenn sich kleine Pflänzchen mit Wurzeln und Blättern entwickelt haben. Diese werden dann in einen Becher mit Orchideensubstart überführt. Jeder Teilnehmer konnte aus einem solchen Becher kleine Pflänzchen in einen Topf
übertragen und mitnehmen.
Zum Schluss wurde noch die Meristem-Vermehrung gezeigt. Diese macht man am besten an einer ganz jungen Blattknospe, z. B. am Blütenstängel einer Phalaenopsis. Wenn man diesen Spross mit Keikipaste (Hormonpaste) umgibt, so entwickelt sich dort ein kleines Pflänzchen.
Es war sehr spannend zu sehen, wie technisch die gärtnerische Orchideenvermehrung ist.
Jetzt versteht man auch, warum die ersten Orchideen so teuer und wertvoll waren und was und wie lange es gebraucht hat, dass daraus die günstigen Zimmerpflanzen wurden, die man überall kaufen kann.
Ein grosser Dank geht an den Referenten für seine ausgezeichnete Vorbereitung mit viel Anschauungsmaterial und die vielen Geschenke, die er uns gemacht hat.
Vorgestellte Pflanze
Lycaste aromatica von Cecile Benz
